Joachim Breitner

Blog

Swing-Tanzen in Philadelphia

Published 2016-09-17 in sections Deutsch, Philadelphia.

Ich bin mal wieder unterwegs, diesmal auf dem Weg zur ICFP in Nara in Japan, und habe Zeit einen weiteren Bericht aus Philadelphia zu schreiben. Wie manchen versprochen erzähle ich heute, wie es mit Swing-Tanzen in Philadelphia aussieht.

Man könnte meinen ich hätte meine Wohnung strategisch günstig zum Swing-Tanzen gewählt, denn die beiden wöchentlichen Events sind in unmittelbarer Nähe:

Jazz Attack

Donnerstags findet in den Räumlichkeiten der University City Arts League Jazz Attack statt: Um 20 Uhr gibt es einen Kurs mit monatlich wechselnden Themen (im August waren es Turns, Tension und Stretch beim Charlston, jetzt im September lernen wir Balboa), stets parallel zu einer Einführung für absolute Anfänger. Einsteigen ist also jederzeit möglich. Die Kurse werden von Freiwilligen gehalten (und sind nicht ganz so lehrreich wie bei einer „richtigen“ Tanzschule). Mit 7 Dollar ist man dabei, und darf auch gleich zum Social bleiben, der von 21 bis 23 Uhr geht.

Jazz Attack

Jazz Attack

Das Gebäude ist – wie auch jenes in dem ich wohne – ein ganz normales Reihenhaus, geschätzt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Das heißt man tanzt im 1. Stock auf schönem Parkett. Wenn im Kurs alle im gleichen Takt ihre Schritte machen, dann wackelt und rödelt die Schiebetür, und im Erdgeschoss sieht man die Decke zentimeterhoch beben und fragt sich, was da ein Statiker zu sagen würde. Aber es scheint zu halten.

Leider ist der Tanzraum nicht besonders groß, vielleicht so groß wie die reine Tanzfläche im Schlachthof in Karlsruhe, und jetzt, wo das Semester begonnen hat, wird es ziemlich voll. Die Organisatoren installieren zwar eine mobile Klimaanlage in einem der Fenster, aber gegen die Tänzer kann die nicht viel ausrichten. Immerhin gibt es gegenüber einen kleineren zweiten Raum, in dem man sich ein wenig abkühlen und auch besser unterhalten kann.

Clark Hop

Sonntags mittags von halb 1 bis halb 3 findet im Park direkt vor meiner Haustüre der kostenlose Open-Air-Social Clark Hop (ja, der im Hintergrund auf dem Titelbild der Seite bin ich) statt. Zumindest sofern das Wetter mitspielt – im August hat die Hitzewelle hier ein paar mal dafür gesorgt, dass es abgesagt werden musste.

Live-Musik im Clark Park

Live-Musik im Clark Park

In der Regel wird der kleine Beton-Platz vor der Charles-Dickens-Statue von einer Boombox beschallt, doch schon zweimal seit ich hier bin spielte eine lokale Band auf, die sich ganz nonchalant auf der Parkbank zurecht macht und für gute Musik sorgt. Der Boden ist nur mäßig zum Tanzen geeignet, und meine guten Schuhe bleiben Sonntags zu hause (Karlsruher, eure Holzinsel am ZKM ist echt was wert!).

PILE

Letzten Samstag fand der jährliche Swing-Exchange Philadelphias mit dem etwas unvorteilhaften Namen PILE statt: Workshops von 10 bis 3 Uhr, dann Wettbewerbe (an denen nur Vollzeitstudenten teilnehmen durften, ich hatte also Pause, die ich nach 4 Stunden Workshop auch brauchen konnte) und abends ein Social. Wir tanzten in der Houston Hall, einem stattlichen Gebäude der University of Pennsylvania mit schön großem Saal. Ich habe am Advanced-Workshop teilgenommen, mit zwei Lehrern aus New York, und war auch entsprechend gefordert (Twenties-Charlston – nie gemacht!), aber nicht fehl am Platz. Leider ist auch bei den neuen Figuren da das Problem, dass ich sie schnell wieder vergesse.

Advanced-Kurs bei PILE

Advanced-Kurs bei PILE

Bal Night

Jeden zweiten Freitag im Monat findet die Bal Night statt: Ort, Aufbau und Kosten wie Jazz Attack, nur dass Balboa getanzt wird. Nachdem jetzt bei Jazz Attack geschickter weise auch Balboa gelehrt wurde, kann ich mich in Zukunft öfter auf der Bal Night blicken lassen.

Blues

Diese ganzen Veranstaltungen werden vom Verein LaB (Lindy and Blues) organisiert, und so findet Montag abends in der Innenstadt Powerhouse Blues statt. Ich war bisher einmal dort, als ein Einstieg für Anfänger geboten wurde, und auch Blues macht Spaß. Weniger hektisch, mehr Improvisation. Ich werde es im Oktober wohl nochmal probieren.

Fun fact: LaB wurde von Carsie Blanton gegründet, von der man in Karlsruhe das Lied „Baby can dance“ kennt, von dem ich bis vor kurzem dachte, es wäre ein altes Lied.

Und wie ist es so?

Naja, Swing halt! Im Großen und Ganzen ist es nicht viel anders als Swing in Karlsruhe. Ein paar kleine Unterschiedegibt es:

  • Hier ist Ein-Tanz-Land. Das heißt, nachdem man mit jemandem getanzt hat und das Lied zu Ende ist, wird vielleicht noch kurz Danke gesagt und man macht sich wieder aus dem Staub. Karlsruhe ist ja tendenziell eher Zwei-Tanz-Land, wo man nach dem ersten Lied in der Regel noch ein zweites mit dem gleichen Partner tanzt.
  • Frauen fordern zwar auch hier seltener auf als Männer (soweit ich das einschätzen kann), aber trotzdem noch häufiger als in Karlsruhe.
  • Männerüberschuss (präziser: Leaderüberschuss) ist auch hier keine Seltenheit. Mist.
  • Ich vermisse die Atmosphäre des Socials im Schlachthof. Es ist einfach ein Unterschied ob 30 Tänzer ein einem schnöden Raum tanzen, und sonst nichts ist, oder ob 30 Tänzer in einem schönen Raum tanzen, in dem Tische stehen, mit einer Bar nebenan und normalen Menschen um einem herum. (Ein wenig Verklärung mag da sicher dabei sein, schließlich waren die Schlachthofsocials vor 2½ Jahren mein Einstieg ins Swingtanzen in Karlsruhe.)
  • Der Swingout wird hier deutlich mehr getanzt als in Karlsruhe (wobei das eigentlich mein Eindruck auch sonst war, wenn ich außerhalb Karlsruhes getanzt habe). Ich frage mich woran das liegt. Die Figur war lange meine Schwachstelle, und ist es immernoch, aber von mal zu mal klappt es besser.
  • Ohne Facebook geht hier gar nichts; alle Ankündigungen etc. laufen darüber. In Karlsruhe war es zwar auch so, dass ich vorwiegend wegen der Swing-Community nach vielen Jahren Verweigerung mich bei Facebook angemeldet hatte, um Mitfahrgelegenheiten und so nicht zu verpassen, aber zumindest alles „offizielle“ bekommt man über die Mailingliste mit.
  • Jam Circles gibt es für alle Geburtstage der letzten Woche (nicht nur für den Tag) und für alle auswärtigen Gäste. Gerade letzteres ist eine Tradition die ich euch in Karlsruhe sehr nahelegen will; da fühlt man sich als Gast gleich viel willkommener.
  • Es gibt in Philadelphia noch eine Swing-Szene, die sich wöchentlich weiter im Norden trifft. Anscheinend sind diese Szenen weitgehend disjunkt und dort eher ältere. In Karlsruhe sind wir da nicht so.
  • Mein Vorname ist absolut ungeeignet, um damit in den USA zu leben, und der Geräuschpegel beim Social macht es noch sinnloser, wenn ich versuche, die richtige Aussprache vorzumachen. Daher zeige ich die richtige Schreibweise und Aussprache yo-AH-kheem auf meinem Handy (per screen-message), das klappt ein wenig besser.

Ich tanze zwar weiter vorwiegend mein übliches Programm (der Fluch der Leader – man lernt auf Socials nur schwer neue Figuren), aber bis zum Jahresende wird sich sicherlich die eine oder andere neue Figur eingeschlichen haben. Sollte es in Karlsruhe wieder einen Silvesterswing geben, so stehen die Chancen gut dass ihr sie mich dort tanzen sehen könnt.

Ein Krankenhausbesuch in den USA

Published 2016-09-07 in sections Deutsch, Philadelphia.

Seit gestern morgen habe ich einen ziemlich rauen Hals und hab mich auch sonst nicht gesund gefühlt (fiebrig, Kopfweh). Heute erfahre ich von einem Kollegen, mit dem ich am Samstag gemeinsam unterwegs ist, dass er auch krank ist und „Strep“ hat, eine bakterielle Entzündung des Rachens. Da das ansteckend ist und behandelt schneller weg geht empfiehlt er mir (per Mail), einen Schnelltest zu machen.

Ich nehme das als Anlass, meine ersten Erfahrungen mit dem US-Gesundheitssystem zu machen. Über meine Anstellung an der Uni habe ich eine Krankenversicherung, die aber nur für bestimmte Ärzte und Kliniken in vollem Umfang bezahlt. Auf deren Homepage kann ich für mein Anliegen (Untersuchung mit Strep-Schnelltest) mir sagen lassen, wie viele ich dabei wohl zuschießen muss (20$) und wo ich entsprechende Ärzte finde. Die nächste Klinik, das „Presbyterian Medical Center“ ist direkt auf dem Campus und gehört zur Universität.

Ich mache mich also auf den Weg und gehe dort zur Information am Haupteingang. Der Wachmann dort lässt mich wissen, dass ich zum „Emergency Walk-In“, also der Notaufnahme, gehen muss (auch wenn das nicht gerade meinem Verständnis eines „Notfalls“ entspricht), und ein kräftiger Sicherheitsmann führt mich durch das Gebäude, zu einem Neben-Ausgang, und weißt mir da den Weg zum „Emergency Walk-In“.

Hier muss ich erst durch eine Sicherheitskontrolle mit Röntgengerät. Dann ein Empfang, wo ich ein paar Daten (Name, Social-Security-Nummer, Geburtsdatum sowie Anliegen) abgebe, und im Gegenzug ein Papierband mit Barcode für mein Handgelenk erhalte. Damit setze ich mich in den Wartebereich und warte (ein Glück dass ich eine e-Book-Lese-Programm auf mein Handy geladen habe.)

Mir fällt auf dass hier im Wartesaal außer mir nur Schwarze warten, und die meisten sehen nicht aus als ob sie gerade von einem Akademiker-Job kommen. Habe ich etwas falsch gemacht (oder zumindest anders als meine Kollegen machen würde)? Hätte ich vielleicht statt dessen einen Termin mit einem Arzt ausmachen sollen? Oder in die Sprechstunde eines HNO-Arzt gehen?

Nach 1½ Stunden werde ich von einer freundlichen Krankenschwester ausgerufen und in ein Untersuchungszimmer geführt. Sie fragt nach meinen Symptome, Medikamenten, Allergien und misst Blutdruck, Puls, Temperatur. Dann meint sie ich wäre gerade zur richtigen Zeit da und werde jetzt „fasttracked“, was wohl heißen soll, dass ich jetzt schnell behandelt werde. Sie führt mich in ein anderes Untersuchungszimmer („Super Track 3“) und lässt mich auf die Ärztin warten.

Nach einer halben Stunde kommt nicht die Ärztin, sondern eine Mitarbeiterin, die mehr Daten von mir will (Adresse, Versicherungskarte, Notfallkontakt). Während ich ihr das noch alles buchstabiere, kommt dann die Ärztin. Auch sympathisch, fragt die Symptome ab, schaut mir in die Ohren und den Rachen, hört meine Lunge ab und holt dann den Schnelltest, für den sie einen Rachenabstrich macht. Sie meint, das braucht 20 Minuten, und lässt mich im Untersuchungszimmer warten.

Hier warte ich also, lese weiter, und hole irgendwann meinen Laptop raus um diesen Text zu schreiben. Zwischendurch kam eine Mitarbeiterin und legte Aufkleber auf den Tisch. Dann kam eine Schwester und holte die Aufkleber, um damit den Test zu bekleben, und meinte das dauert nochmal eine Stunden. Dann wieder die Mitarbeiterin, die mir verkündet, dass mein Beitrag nicht 20 sondern 75 Dollar sind. Ich gebe ihr meine Bankkarte, sie geht und kommt zum Unterschreiben wieder. Ich warte weiter. Dann kommt sie nochmal und will meine Telefonnummer.

Mein Hals tut weiter weh, aber so langsam krieg ich Hunger.

Eine Stunde später kehrt die Ärztin wieder und verkündet mir ein negatives Testergebnis. Weil der Schnelltest aber nicht 100% sicher ist macht sie noch einen Abstrich für einen Labortest, dessen Ergebnisse ich in zwei Tagen bekommen kann. Sie vermutet einen Virus und will mir entsprechendes verschreiben. Ich bleibe weiter in dem Untersuchungszimmer sitzen und warte auf „the paperwork“ (den Papierkram).

Ein paar Minuten später kam der auch. Eine Schwester ging mit mir nochmal die Diagnose durch, erklärte mir die Verschreibung (Ibuprofen gegen Schmerzen bei Bedarf) und legte mir Salzwasserspülungen nah. Sie nahm sich tatsächlich Zeit und gab mir die Möglichkeit, Fragen zu stellen – an der Stelle scheint das US-System einen Vorteil gegenüber dem Deutschen zu haben, dass sich diese Zeit nimmt.

Auf meine Frage nach der Zusammensetzung der Wartenden und ob ich das „Übliche“ gemacht habe meinte sie, dass das schon richtig so ein, dass das Krankenhaus eben auch das umliegende Viertel versorgt, das wohl vorwiegend von Schwarzen bewohnt wird. Allerdings hätte ich auch, wenn ich einen Hausarzt hätte, zu dem ich bei so leichten Beschwerden gehen kann. Mit insgesamt 3½ Stunden kam ich wohl sogar schnell durch, und es können auch 6 oder 8 werden. Direkt bei einem eigenen Arzt geht das dann effizienter.

Fazit: Meine generelle Annahme, dass zum Arzt gehen meist nicht lohnt, hat sich wieder einmal bestätigt, und hier kommen noch signifiakten Kosten dazu. Die nächste Erkältung kuriere ich also eher selber aus. Aber wenn was wirklich ernsthaftes ist, weiß ich zumindest mal wo der Eingang zur Notaufnahme ist.

Update: Ich habe meine Krankenversicherung gefragt warum es so viel teurer geworden ist, und habe erfahren, dass es -- neben der Notaufnahme und Besuchen direkt beim Arzt -- hier auch das Konzept des Urgent Care Center gibt: Dort kann man ohne Anmeldung mit allen dringenden, aber nicht lebensgefährlichen Beschwerden hin, kommt in der Regel schneller durch (laut Webseite des Centers im Schnitt eine Stunde) und zahlt weniger (30$). Das hätte in meinem Fall deutlich besser gepasst. PS: Wer sich unsicher ist ob eine Schussverletzung nun „dringend“ behandelt werden muss, oder ein „Notfall“ ist, für den gibt es eine Entscheidungshilfe.

Update 2: Der Labortest ist negativ.

Update 3: Gut eine Woche nach der ganzen aktion flattert mir eine Rechnung vom Krankenhaus über 75 Dollar ins Haus. Seltsam, weil ich hab ja vor Ort bezahlt (und mein Kontoauszug sagt das auch). Beim Kundenservice des Krankenhaus angerufen (das klingt komisch) und denen das geschilert. Die sehen die Zahlung nicht, und ich möge denen doch bitte eine Kopie des Kontoauszugs als Zahlungsbeleg schicken...

The new CIS-194

Published 2016-09-05 in sections English, Haskell.

The Haskell minicourse at the University of Pennsylvania, also known as CIS-194, has always had a reach beyond the students of Penn. At least since Brent Yorgey gave the course in 2013, who wrote extensive lecture notes and eventually put the material on Github.

This year, it is my turn to give the course. I could not resist making some changes, at least to the first few weeks: Instead of starting with a locally installed compiler, doing execises that revolve mostly around arithmetic and lists, I send my students to CodeWorld, which is a web programming environment created by Chris Smith1.

This greatly lowers the initial hurlde of having to set up the local toolchain, and is inclusive towards those who have had little expose to the command line before. Not that I do not expect my students to handle that, but it does not hurt to move that towards later in the course.

But more importantly: CodeWorld comes with a nicely designed simple API to create vector graphics, to animate these graphics and even create interactive programs. This means that instead of having to come up with yet another set of exercieses revolving around lists and numbers, I can have the students create Haskell programs that are visual. I believe that this is more motivating and stimulating, and will nudge the students to spend more time programming and thus practicing.

In fact, the goal is that in their third homework assignemnt, the students will implement a fully functional, interactive Sokoban game. And all that before talking about the built-in lists or tuples, just with higher order functions and custom datatypes. (Click on the picture above, which is part of the second weeks’s homework. You can use the arrow keys to move the figure around and press the escape key to reset the game. Boxes cannot be moved yet -- that will be part of homework 3.)

If this sounds interesting to you, and you always wanted to learn Haskell from scratch, feel free to tag along. The lecture notes should be elaborate enough to learn from that, and with the homework problems, you should be able to tell whether you have solved it yourself. Just do not publish your solutions before the due date. Let me know if you have any comments about the course so far.

Eventually, I will move to local compilation, use of the interpreter and text-based IO and then start using more of the material of previous iterations of the course, which were held by Richard Eisenberg in 2014 and by Noam Zilberstein in 2015.


  1. Chris has been very helpful in making sure CodeWorld works in a way that suits my course, thanks for that!

Explicit vertical alignment in Haskell

Published 2016-08-30 in sections English, Haskell.

Chris Done’s automatic Haskell formatter hindent is released in a new version, and getting quite a bit of deserved attention. He is polling the Haskell programmers on whether two or four spaces are the right indentation. But that is just cosmetics…

I am in principle very much in favor of automatic formatting, and I hope that a tool like hindent will eventually be better at formatting code than a human.

But it currently is not there yet. Code is literature meant to be read, and good code goes at length to be easily readable, and formatting can carry semantic information.

The Haskell syntax was (at least I get that impression) designed to allow the authors to write nicely looking, easy to understand code. One important tool here is vertical alignment of corresponding concepts on different lines. Compare

maze :: Integer -> Integer -> Integer
maze x y
| abs x > 4  || abs y > 4  = 0
| abs x == 4 || abs y == 4 = 1
| x ==  2    && y <= 0     = 1
| x ==  3    && y <= 0     = 3
| x >= -2    && y == 0     = 4
| otherwise                = 2

with

maze :: Integer -> Integer -> Integer
maze x y
| abs x > 4 || abs y > 4 = 0
| abs x == 4 || abs y == 4 = 1
| x == 2 && y <= 0 = 1
| x == 3 && y <= 0 = 3
| x >= -2 && y == 0 = 4
| otherwise = 2

The former is a quick to grasp specification, the latter (the output of hindent at the moment) is a desert of numbers and operators.

I see two ways forward:

  • Tools like hindent get improved to the point that they are able to detect such patterns, and indent it properly (which would be great, but very tricky, and probably never complete) or
  • We give the user a way to indicate intentional alignment in a non-obtrusive way that gets detected and preserved by the tool.

What could such ways be?

  • For guards, it could simply detect that within one function definitions, there are multiple | on the same column, and keep them aligned.
  • More general, one could take the approach lhs2Tex (which, IMHO, with careful input, a proportional font and with the great polytable LaTeX backend, produces the most pleasing code listings) takes. There, two spaces or more indicate an alignment point, and if two such alignment points are in the same column, their alignment is preserved – even if there are lines in between!

    With the latter approach, the code up there would be written

    maze :: Integer -> Integer -> Integer
    maze x y
    | abs x > 4   ||  abs y > 4   = 0
    | abs x == 4  ||  abs y == 4  = 1
    | x ==  2     &&  y <= 0      = 1
    | x ==  3     &&  y <= 0      = 3
    | x >= -2     &&  y == 0      = 4
    | otherwise                   = 2

    And now the intended alignment is explicit.

(This post is cross-posted on reddit.)

Update (2016-09-05) Shortly after this post, the Haskell formatter brittany gets released, which supports vertial alignment. Yay!

Eine Woche Philadelphia

Published 2016-08-05 in sections Deutsch, Philadelphia.

Es ist wieder Freitag, und ich sitze wieder in einem Zug. Letzte Woche war es der ICE nach Philadelphia (mit einmal Umsteigen am Flughafen Frankfurt), jetzt ist es der Amtrak Northeastern Regional train nach Boston, wo ich übers Wochenende eine Freundin besuche. Erzählen will ich jetzt aber nicht von Boston, sondern von meiner ersten Woche Philadelphia.

Die Wohnung

Nach dem dank Premium-Economy-Platz (günstiger als ein Economy-Flug mit zusätzlichem Freigepäck) recht angenehmen Flug und einer Stunde unnützem Warten in der Schlange vor der Passkontrolle erreichte ich am späten Nachmittag per Taxi mein neues Zuhause im Westen von Philadelphia. Es war heiß, schwül und unangenehm schwitzig.

Der Schlüssel lag – wie vereinbart – im Briefkasten. Der erste Eindruck des Wohn- und Esszimmers war mäßig: Geräumig, aber es stand viel Krempel herum.

Anders mein Zimmer: In dem als „möbliert ohne Bett“ beworbenem Zimmer stand weniger herum als erwartet. So war da zwar ein kleiner Schreibtisch, aber kein Stuhl dazu. Was auch nicht da war war die aufblasbare Luftmatratze meiner Mitbewohnerin, die mir versprochen hatte, diese in das Zimmer zu legen.

Ich spazierte noch einmal die Baltimore Avenue entlang und kaufte bei einem genossenschaftlich betriebenen und ökologisch angehauchtem Supermarkt das nötigste (Tee, Milch, Oatmeal).

Aber bald machte sich die Müdigkeit breit (gefühlt war es ja bereits vier Uhr morgens). Ich hatte zwar kein Bett, aber zum Glück hatte ich Isomatte und Schlafsack mitgenommen. Die breitete ich aus, steckte als Kissen einen Pulli in einen Stoffbeutel, und legte mich schlafen. Wegen Hitze und unbequemer Matratze schlief ich allerdings nicht ein, und kurz drauf klopfte es an meiner Tür: Jene Mitbewohnerin zeigte sich und brachte mir die Luftmatratze. Dank elektrischer Pumpe war diese auch schnell einsatzbereit, so dass ich die erste Nacht doch auf etwas halbwegs bettähnlichem verbringen konnte.

Am nächsten Tag oder, besser, in der nächsten Nacht machte sich der Jetlag noch deutlich bemerkbar. Ich schlief nur bis zwei Uhr morgens (ich bin die letzten Jahre wohl zu regelmäßig um acht Uhr aufgestanden). Ich versuchte dann noch so gut es geht zu dösen, aber um vier Uhr war ich endgültig zu wach und begann, Zeug am Rechner zu erledigen.

Als es dann wirklich Morgen war und ich gefrühstückt hatte (und ich die Theorie aufgestellt habe, dass dort wenige Leute den Schwarztee zum selber abfüllen kaufen, er daher entsprechend lange in dem Laden stand und so etwas an Geschmack verloren hat) machte ich mich auf den Weg, die wichtigsten ersten Erledigungen zu machen: Erst eröffnete ich ein Bankkonto, was erstaunlich unproblematisch war, zumindest solange mir die Debit-Karte reicht. Dann ging es zum IKEA. Bisher habe ich IKEA gemieden und versucht, bei Einzelgeschäften oder kleineren Ketten zu kaufen, aber in dem Fall überwog die Bequemlichkeit, zu einem Laden zu gehen, wo ich ungefähr weiß, was mich erwarte, wo ich alles bekomme was ich brauche und der mir die Einkäufe nach Hause liefert.

Ich brauchte etwa eine Stunden mit dem Bus von West Philadelphia zum IKEA in Süd-Philadelphia, und besorgte mir ein Bett, eine Matratze, eine Decke, Kissen, Bezüge, einen Schreibtischstuhl und ein Bücherregal. Das zu finden brauchte auch nur kaum länger als das Warten am Schalter der die Nach-Hause-Lieferungen entgegennimmt. Aber das Warten zahlte sich aus: Nicht nur dass die Möbel für nur 40$ noch am gleichen Tag geliefert werden, auch entdeckte der Mitarbeiter auf dem Kassenzettel dass mir der Bettrahmen doppelt berechnet wurde, und der Fehler lies sich korrigieren.

Mit der Ansage, dass „zwischen fünf und neun Uhr“ meine Möbel geliefert werden, und einem großen Beutel mit allen kleineren Artikeln, die sie nicht liefern wollten in der Hand machte ich mich auf dem Weg zur Bushaltestelle. Kurz vor fünf war ich dann zu Hause und wartete gespannt ob das mit der Lieferung klappt. Tatsächlich: Halb 9 fuhr ein Laster vor und mir wurden meine Möbel ins Haus gestellt.

Hammermäßiges Werkzeug

Hammermäßiges Werkzeug

Erfreut, nicht noch eine Nacht auf der Luftmatratze schlafen zu müssen machte ich mich an den Zusammenbau. Ich hatte in meiner IKEA-Unerfahrenheit nicht bedacht, dass man sogar für IKEA-Möbel eigenes Werkzeug braucht (also, Schraubenzieher und Hammer) und musste auf mein Taschenmesser sowie – als Hammerersatz – einen Fahrradständer, den ich im Krempel im Wohnzimmer fand, zurückgreifen. Zumindest bis meine Mitbewohnerin dann doch zumindest einen Kreuzschlitz-Schraubenzieher fand. Bei insgesamt über 150 Schrauben wäre das mit dem Taschenmesser auch auf Dauer recht unangenehm geworden.

Es dauerte bis nach 11 Uhr bis das Bett dann endlich stand. Ich hatte immernoch vom Jetlag, und während ich die letzten Schrauben reindrehte musste ich aktiv verhindern, dass mir die Augen zufielen. Als das Bett fertig gebaut, und das Bettzeug aufgezogen war, schlief ich dann auch schnell, und immerhin ein wenig länger als die Nacht zuvor (ich glaube bis um 6?).

Die restlichen Möbel baute ich dann am Sonntag auf. Ich habe ein paar Bilder des fertigen Zimmers gemacht.

Stillleben mit Tux

Stillleben mit Tux

Mein erster Eindruck der Wohnung trog übrigens: Am Mittwoch Abend gab es ein Treffen der Bewohner und wir misteten Kühlschrank, Küche, Esszimmer und Wohnzimmer aus. Nun macht das Haus einen ganz wohnlichen Eindruck. Mit der Truppe – aus drei Frauen und drei Männern, wobei einer noch nicht eingezogen ist – scheine ich gut zurecht zu kommen. Es besteht wohl prinzipiell Interesse an Brettspielen (und wenn ich Sonntag Abend nicht zu früh zu müde gewesen wäre, hätten wir wohl was gespielt), wir haben einen Gruppenchat eingerichtete (wofür ich noch einen Instant Messenger installieren musste, Group me in diesem Fall), einer war beim Swing-Tanzen dabei und eine weitere will auch mal mit. Von gemeinsam Kochen war zumindest mal die Rede (und ich werds mal mit Käßspätzle probieren).

Die Uni

Aber ich bin ja nicht wegen einer netten WG hier hergezogen, sondern um als Post-Doc an der University of Pennsylvania zu arbeiten. Also begab ich mich Montag früh zu Fuß in das Gebäude mit meinem Büro, der sogenannten Levine Hall. Von meiner Wohnung aus sind es 20 Minuten zu Fuß, Fotos von meinem Arbeitsweg habe ich bereits hochgeladen.

Dort angekommen schaute ich erst bei der Sekretärin des Lehrstuhls vorbei, die mich in mein schönes zwei-Mann-Büro mit großem Fenster und Blick zum Innenhof führte. Auf dem Schreibtisch stand bereits mein neuer Laptop, für den ich eine Woche vorher meine Wunschkonfiguration gemailt hatte. Auch lag da der Schlüssel, die Mitarbeiterkarte, meine Zugangsdaten fürs Uni-Netz und ein Stapel an den üblichen Formularen, wobei die Daten, die der Personalabteilung bereits bekannt waren, schon vorausgefüllt waren. Ich bekam noch eine kurze Tour zu Küche und Kopierraum, und schon konnte ich loslegen.

Pustekuchen.

Dort angekommen schaute ich erst einmal bei einer Mitarbeiterin der Verwaltung vorbei, die mir die freien Schreibtische zeigen sollte. Allerdings war ich (Jetlagbedingt) mit halb 9 etwas zu früh, und lümmelte eine halbe Stunde herum, bevor dann jemand kam und mir meine Möglichkeiten zeige.

Zuerst ein Schreibtisch im Nachbarflügel, zwei Stockwerke tiefer als meine Gruppe, in einem langgezogenem Zimmer, in dem mehrere Reihen kleiner Schreibtische reingequetscht wurden. Am schmalen Ende ein Fenster, recht groß, aber über Kopfhöhe. Nein Danke. Als nächstes ein Schreibtisch, im gleichen Stockwerk wie meine Gruppe, aber drei Flure weit weg, in einem Zimmer ohne Fenster und 4 Plätzen drin. Ein wenig besser.

Dann fragte ich nochmal ausdrücklich nach Zimmer 513 oder 514, wo die anderen Post-Docs und Doktoranden meiner Gruppe sitzen. Sie ging in ihr Büro zurück, ging ein paar Ausdrücke durch und tatsächlich, in 514 ist wohl gerade jemand fertig geworden. Und das wurde es dann – aber warum nicht gleich?

Hässlich ist es leider trotzdem: Ein geschätzt 5m×10m großes Zimmer, mit Trennwänden in zwei Quadrate geteilt, und in jedem Quadrat in jeder Ecke ein Arbeitsplatz gepackt.

Meine Ecke

Meine Ecke

Formulare waren natürlich auch keine vorausgefüllt. Ich ging also zur Personalabteilung, füllte dort eine Hand voll Zettel aus, und gab sie ab. Nachdem diese dann bearbeitet wurden (am Donnerstag) stellten sie fest dass ein Zettel fehlte, den ich zwar am Montag dabei hatte, aber da keiner haben wollte. Den brachte ich dann am Freitag. Im Gegenzug gab es ein Formular, mit dem ich zur PennCard-Ausgabestelle ging und meine Mitarbeiterkarte bekam. Wieder im Büro wollte ich damit meinen Uni-Zugang einrichten, und erfuhr, dass ich dazu erst mit meiner PennCard bei der PennCard-Ausgabestelle vorbeischauen muss, um ein Registrierungscode zu erhalten… Es stellt sich die Frage, warum dir mir nicht gleich gesagt haben „Hier ist Ihre PennCard, brauchen Sie auch einen Uni-Zugang?“. Also wieder hin, in der Schlange gewartet, Zugangscode erhalten, wieder an meinen Laptop, und endlich meinen sogenannten PennKey erhalten – es war sogar noch joachim frei. Damit konnte ich jetzt den Benutzeraccount an der Fakultät beantragen, und wenn der dann nächste Woche da ist kann ich so langsam richtig arbeiten (Webseiten für die Vorlesung, die ich halten werde, einrichten und solche Sachen).

Apropos Arbeiten: Mein neuer Dienst-Laptop ist noch lang nicht da, das dauert noch zwei Wochen oder so. Ich verwende also noch den aus Karlsruhe, den ich netterweise ein wenig länger benutzen darf. Und Internetzugang hab ich auch nur dank eduroam (dem weltweiten WLAN-Verbund für Akademiker) und meinen Karlsruher Zugangsdaten. Hätte ich das nicht, ich könnte so ungefähr gar nichts machen.

Alles in allem habe ich nicht das Gefühl, ein willkommener, gebrauchter und geschätzter neuer Mitarbeiter zu sein, sondern eher wie ein Besucher, dem die Uni gnädigerweise erlaubt, sich in einer Ecke, die gerade frei ist, einzurichten und den man sonst sich selbst überlässt. Aber ich befürchte dass es einfach keine gut organisierte Verwaltung ist und es vermutlich auch neuen Professoren so ergehen würde (mal abgesehen von den hässlichen Schreibtischen: Die haben schöne Büros mit große Fensterfront).

Immerhin sind die Kollegen (wenn auch über mehrere Büros verteilt) soweit nett und umgänglich, und meinen Ambitionen, ein gemeinsames Mittagessen draußen zur Institution zu machen, offen gegenüber. Es gibt hier, soweit ich das sehe, keine Mensa wie ich sie kenne. Die Hälfte der Mitarbeiter bringt sich Essen in Tupperdosen mit und wärmt es in der Mikrowelle auf, die andere geht raus und zu einem der vielen Foodtrucks (= mobile Imbissbuden), die Essen verschiedener Art in mit der Mensa vergleichbarer Qualität anbieten. Letztes produziert pro Mahlzeit leider mindestens eine Plastiktüte, ein Plastik- oder Styropor-Behälter und eine Plastikgabel an Müll.

Philadelphia

Mangels fahrbarem Untersatz (ein neues Fahrrad wurde bestellt und werde ich nächste Woche in Betrieb nehmen; ich werde berichten) ist mein Radius bisher auf den Campus und mein westlich angrenzendes Viertel begrenzt. Aber fürs erste genügt das und ich komme auch zu Fuß gut genug rum, wenn nicht gerade eine Straßenbahn kommt und ich diese nehme.

Der öffentliche Nahverkehr ist soweit in Ordnung. Es gibt ein paar Straßenbahnen (davon eine direkt von vor meiner Haustüre zur Uni) und in Philadelphia insgesamt viele Buslinen. Manches wirkt allerdings etwas undurchdacht:

  • Es gibt meines Wissens keine Karte von Philadelphia mit allen Buslinien drauf, weder Online und erst recht nicht an den Bushaltestellen, wo man sie erwarten würde. Für jede einzelne Buslinie gibt es Karten online, aber die kann ich ja schlecht alle anschauen. Wie ich von West Philadelphia zum IKEA komme habe ich nur per Google herausgefunden.

  • Die verschiedenen Straßenbahnen fahren in der Stadtmitte und auf dem (genauer: unter dem) Campus auf der selben Strecke und fächern sich dann gen Westen auf. Die Straßenbahnnummer steht allerdings nur vorne am Wagen, von der Seite sehen sie alle gleich aus. Wenn man also in der unterirdischen Campus-Station sitzt, wartet und vielleicht ein Buch liest, muss man trotzdem jede einfahrende Bahn rechtzeitig anschauen und die Liniennummer lesen, sonst weiß man nicht, ob man einsteigen soll oder nicht. Es gibt zwar eine Digitalanzeige in der Station, aber die zeigt den Namen der Station an, und nicht etwas wann die nächste Bahn kommt, und welche das ist.

Welche Bahn kommt da jetzt?

Welche Bahn kommt da jetzt?

Es fällt auch auf dass die Zusammensetzung der Bevölkerung sehr davon abhängt, wo man gerade ist. Im IKEA ist es so bunt gemischt ist, wie man es von einer amerikanischen Großstadt erwartet. Im Bus auf dem Weg zum IKEA waren es fast nur Schwarze, die tendenziell eher ärmer wirken. Auf dem Campus laufen wiederum deutlich mehr mit asiatischem Ursprung herum. Mein Wohnviertel scheint ein Gentrifizierungs-Schauplatz zu sein: Restaurants, Hippe Cafes, alternative Läden, Eismanufakturen, aber je weiter nach Osten (weg vom Campus) man kommt, desto heruntergekommener die Gegend. Irgendwo da war mal ein RadioShack (eine allgegenwärtige Elektronik- und Technikkette), und das Schild war auch noch auf dem Gebäude, aber drin war ein Krämer mit Sofas, Kabeln, Lautsprechern und weiß nicht was. Hier laufen mehr „kaputte Gestalten“ herum und ich wurde mehrfach angebettelt. (Aber alles noch so dass zumindest ich mich nicht unwohl oder unsicher gefühlt habe.)

Ein erstes Fazit

Bisher muss ich sagen dass das noch keine Verbesserung meiner Gesamtlebenssituation ist, eher im Gegenteil. Ich hatte es mir nach 12 Jahren in Karlsruhe halt doch ganz gut eingerichtet gehabt. Aber übernächste Woche kommt meine Chefin aus dem Urlaub, und kurz darauf beginnen die Vorlesungen. Wenn ich dann erst mal etwas vernünftiges zu tun habe und mich ein wenig eingelebt habe, kann das ja noch was werden.

PS: Es kamen beide Pakete an. Das erste war schon da als ich kam, aber da nur das eine da war, und dieses vom Transport recht lädiert war, habe ich für das schon schwarz gesehen, aber eine Woche stand auch das auf der Veranda. Immerhin.

Ein schlüsselloser Moment

Published 2016-07-29 in sections Deutsch, Philadelphia.

Im Moment nenne ich keinen Schlüssel mein eigen. Ein seltener und seltsamer Zustand, der nur eines heißen kann: Ich ziehe gerade um. Gerade bin ich, mit großem Koffer, großem Rucksack, Handgepäckkoffer und Laptoptasche beladen, in einen gut gefüllten ICE gestiegen. Der bringt mich an den Frankfurter Flughafen, und von dort geht es dann non-stop nach Philadelphia, wo ich die nächsten zwei Jahre leben und an der University of Pennsylvania arbeiten werden.

Reisefertig

Reisefertig

Es gab mehrere Wünsche nach Berichten. Statt Rundmails zu schicken fülle ich lieber -- wie schon während meiner Zeit in Ghana, Indien und Cambridge -- meinen Blog wieder mit mehr (nicht-technischem) Leben.

Nun bin ich zwar noch nicht in Philadelphia, aber die ersten Reise-bezogenen Anekdoten kann ich bereits zum Besten geben.

Die Abmeldebestätigung

Wer aus Deutschland wegzieht hat sich behördlich abzumelden, so will es das Gesetz. Also gut, ich gehe Anfang Juli zum Bürgerbüro (das unterbeschäftigte in Hagsfeld, wo man immer sofort drankommt).

Erst verlangt die Mitarbeiterin eine Bescheinigung der Vermieterin, dass ich die Wohnung gekündigt habe. Nun kann ich eine solche nicht vorlegen: Meine Vermieterin wollte mich opportunistischer weise nicht aus dem Mietvertrag entlassen, sondern verlangte, dass meine Mitbewohnerin und ich erst ordnungsgemäß kündigen, bevor sie – eventuell und zu schlechteren Bedingungen – mit ihr einen neuen Vertrag aussetzt. Darauf haben wir uns nicht einlassen wollen, und so bleibe ich weiterhin, zumindest pro-forma, Mieter der Wohnung. Nach ein bisschen gut Zureden akzeptierte die Frau vom Bürgerservice das und verzichtete auf eine Kündigungsbescheinigung.

Dann fiel ihr Blick auf mein Auszugsdatum und sie meinte, dass ich zu früh da wäre: Abmeldungen sind erst eine Woche vor dem Wegzug möglich! Welch unsinnige Regel… und ich hatte wenig Lust, in der letzten, mit Umzugs- und Abschiedsstress gefüllten Woche, nochmal nach Hagsfeld zu radeln.

Ich: „Kann ich den Antrag eigentlich auch per Post schicken?“
Sie: „Ja, das geht auch.“
Ich: „Und was passiert wenn ich das schon heute per Post schicke?“
Sie: „Dann bleibt es bis eine Woche vor Ihrem Wegzug liegen.“
Ich: „Aha. Kann ich dann den Antrag nicht einfach jetzt bei Ihnen lassen?“
Sie: „Öh. Ja. Das geht auch.“

Sie legte den Antrag auf einen der Schreibtisch-Stapel, und schrieb in Ihren Papier-Kalender für den letzten Monat groß „Abmeldung Breitner“. Zufrieden ging ich von dannen, in der Erwartung die Sache geklärt zu haben und am Dienstag die Bescheinigung (die ich für GEZ, Banken, Versicherungen etc. brauche) im Briefkasten vorzufinden.

Am Dienstag war nichts im Briefkasten. Am Mittwoch nicht. Gestern radelte ich also zum Amt. Die Dame erinnerte sich wohl, zog ohne Kommentar meinen Antrag aus dem Stapel, auf den sie ihn vor drei Wochen legte, und meinte, es fehle ja noch die Bescheinigung vom Vermieter…

Erneut erklärte ich meine Situation, wedelte mit Visum und Mietvertrag in Philadelphia. Wenige Minuten später lief ich mit der Abmeldebestätigung in der Hand aus dem Büro. Selber und vor Ort klären ist halt doch das einzig wahre.

Das Paket

Wer denkt, dass ich wohl kaum mit den vier oben genannten Gepäckstücken einen Umzug hinbekomme, hat recht: Ein paar Sachen (Brettspiele, Bücher, Wintersachen) wollte ich per Post vorausschicken. Verunsichert durch Horrorgeschichten über die Behandlung von Postpaketen folgte ich dem Rat einer Freundin, statt Pappkartons stapelbare Kunststoffkisten vom Baumarkt zu nehmen, die nicht nur den Inhalt besser schützen sondern auch dort zum Verstauen geschickt sind.

Nun heißt es auf der Webseite von DHL, dass ein Postpaket eine „formstabile Außenhülle aus Pappe, Wellpapper oder Packpapier hat“. Ist meine Kiste nun ein Postpaket?

Wie heut zu Tage Usus fragte ich per Twitter bei DHL nach. Die Antwort klang gut („ja, können Sie schicken“) mit Einschränkungen („ist Sperrgut, kostet extra“). Auf Nachfrage wurde noch ergänzt dass es in Ordnung wäre, wenn ich das Paket in Packpapier einschlage, was allerdings bei einer Kunststoffkiste mit Profilrillen außen wenig sinnvoll wäre.

Ein kurzer Anruf bei der Hotline ergab Widersprüchliches: Laut der Mitarbeiterin dort wäre auch eine Kunststoffkiste ein normales Paket.

Die Pakete

Die Pakete

Also ließ ich es drauf ankommen und wuchtete die zwei Kisten (16 und 25kg) zum Postschalter in der Waldstadt. Mit suggestiver Überzeugung („diese zwei Pakete“) und Small-Talk („Umzug nach USA“) versuchte ich, jegliche Zweifel der Mitarbeiterin im Kern zu ersticken, was vermutlich nicht nötig gewesen wäre, denn die Kisten wurden ohne mit der Wimper zu zucken angenommen.

Spannend bleibt ob und wann die Kisten in den USA ankommen, und was der Zoll damit macht. Zuletzt wurden sie, laut Tracking, vor acht Tagen am Flughafen in Frankfurt gesehen.

Abschiedsmarathon

Die letzte Woche war, nicht überraschend, ein Abschiedsmarathon:

  • Am Sonntag in Herrenberg von meiner Familie und meinen treuen Schulfreunden.
  • Am Montag von meiner Mitbewohnerin und vom Tanzkurs.
  • Am Dienstag von dem Hund meiner Mitbewohnerin (den ich tagsüber sitten sollte) und abends von beim Social Dance von den Swing-Tänzern (denen ich zum Abschied die Live-Band „Insta Swing“ engagierte, die mein Schulfreund Ruben Maisenbacher extra auf die Beine stellte, und die mir im Gegenzug ein nettes „Freunde-Buch“ ausfüllten).
  • Am Mittwoch von meiner Arbeitsgruppe an der Uni, die da geschickterweise den Betriebsausflug hinlegte (Paddeln auf der Kocher, anschließend in den Biergarten, wo ich sogar noch ein auf mich gedichtetes Ständchen hören durfte).
  • Am Donnerstag dann zuletzt sehr entspannt und nett von meinen Karlsruher Freunden bei meinem letzten AbendmahlPicknick im Fasanengarten.

Bilder aus der Woche finden sich (wie dann bald die ersten Bilder aus den USA) in meinem Photoalbum, das Passwort könnt ihr bei mir erfahren.

So gehen zwölf Jahre Karlsruhe zu Ende, und etwas neues beginnt. Ich werde berichten.

HaL deadline extended

Published 2016-07-05 in sections English, Haskell.

There is this long-running workshop series Haskell in Leipzig, which is a meeting of all kinds of Haskell-interested folks (beginners, experts, developers, scientists), and for year’s instance, HaL 2016, I have the honour of being the program committee chair.

The original deadline passed last week, and after looking through the submissions it became clear that although the quality was good, the quantitiy was still lacking. I therefore extended the submission deadline by two weeks, until July 15th.

So if you have something worth talking about, please do submit a proposal1 and come to Leipzig!.

Why should you submit here? Because it gives you a platform to talk about your ideas to an audience that usually does not consist just of your fellow speakers, as it is often with purely academic workshops, but “real” listeners of various kinds. And it is a fun event.

And why should you come to Leipzig? Because of all the interesting talks and tutorials! Of course I cannot say a lot here yet, besides that our invited speaker Alejandro Russo from Chalmers and Gothenburg University will present his work on information-flow control in Haskell (i.e., SecLib, LIO, MAC, HLIO).


  1. And if you want to save me from sleepless nights, submit the first version a few days before the deadline…

When to reroll a six

Published 2016-07-01 in sections English, Mathe.

This is a story about counter-intuitive probabilities and how a small bit of doubt turned out to be very justified.

It begins with the game “To Court the King” (German: „Um Krone und Kragen“). It is a nice game with dice and cards, where you start with a few dice, and use your dice rolls to buy additional cards, which give you extra dice or special powers to modify the dice that you rolled. You can actually roll your dice many times, but every time, you have to set aside at least one die, which you can no longer change or reroll, until eventually all dice have been set aside.

A few years ago, I have played this game a lot, both online (on yucata.de) as well as in real life. It soon became apparent that it is almost always better to go for the cards that give you an extra die, instead of those that let you modify the dice. Intuitively, this is because every additional die allows you to re-roll your dice once more.

I concluded that if I have a certain number of dice (say, n), and I want to have a sum as high as possible at the end, then it may make sense to reroll as many dice as possible, setting aside only those showing a 6 (because that is the best you can get) or, if there is no dice showing a 6, then a single die with the best score. Besides for small number of dice (2 or 3), where even a 4 or 5 is worth keeping, this seemed to be a simple, obvious and correct strategy to maximize the expected outcome of this simplified game.

It is definitely simple and obvious. But some doubt that it was correct remained. Having one more die still in the game (i.e. not set aside) definitely improves your expected score, because you can reroll the dice more often. How large is this advantage? What if it ever exceeds 6 – then it would make sense to reroll a 6. The thought was strange, but I could not dismiss it.

So I did what one does these days if one has a question: I posed it on the mathematics site of StackExchange. That was January 2015, and nothing happened.

I tried to answer it myself a month later, or at least work towards at an answer, and did that by brute force. Using a library for probabilistic calculations for Haskell I could write some code that simply calculated the various expected values of n dice for up to n = 9 (beyond that, my unoptimized code would take too long):

1:  3.50000 (+3.50000)
2:  8.23611 (+4.73611)
3: 13.42490 (+5.18879)
4: 18.84364 (+5.41874)
5: 24.43605 (+5.59241)
6: 30.15198 (+5.71592)
7: 35.95216 (+5.80018)
8: 41.80969 (+5.85753)
9: 47.70676 (+5.89707)

Note that this calculation, although printed as floating point numbers, is performed using fractions of unbounded integers, so there are no rounding issues that could skew the result.

The result supported the hypothesis that there is no point in rolling a 6 again: The value of an additional die grows and approaches 6 from beyond, but – judging from these number – is never going to reach it.

Then again nothing happened. Until 14 month later, when some Byron Schmuland came along, found this an interesting puzzle, and set out a 500 point bounty to whoever solved this problem. This attracted a bit attention, and a few not very successful attempts at solving this. Eventually it reached twitter, where Roman Cheplyaka linked to it.

Coincidally a day later some joriki came along, and he had a very good idea: Why not make our life easier and think about dice with less sides, and look at 3 instead of 6. This way, and using a more efficient implementation (but still properly using rationals), he could do a similar calculation for up to 50 dice. And it was very lucky that he went to 50, and not just 25, because up to 27, the results were very much as expected, approaching value of +3 from below. But then it surpassed +3 and became +3.000000008463403.

In other words: If you have roll 28 dice, and you have exactly two dice showing a 3, then it gives you better expected score if you set aside only one 3, and not both of them. The advantage is minuscule, but that does not matter – it is there.

From then on, the results behaved strangely. Between 28 and 34, the additional value was larger than 3. Then, from 35 on again lower than 2. It oscillated. Something similar could be observed when the game is played with coins.

Eventually, joriki improved his code and applied enough tricks so that he could solve it also for the 6-sided die: The difference of the expected value of 198 dice and having 199 dice is larger than 6 (by 10 − 21...)!

The optimizations that allowed him to calculate these numbers in a reasonable amount of time unfortunately was to assume that my original hypothesis (never rerolling a 6 is optimal), which held until n < 199. But this meant that for n > 199, the code did not yield correct results.

What is the rationale of the story? Don’t trust common sense when it comes to statistics; don’t judge a sequence just from a few initial numbers; if you have an interesting question, post it online and wait for 16 months.

Eindrücke von der GPN16

Published 2016-05-30 in sections Deutsch, Digital World.

Letztes verlängertes Wochenende war wie die alljährliche Gulaschprogrammiernacht des Karlsruher Chaos-Computer-Club-Ablegers entropia, und ich war natürlich dabei.

Ich halte mich auf GPNs vorwiegend ans Vortragsprogramm und erfuhr diesmal, was es Neues bei Rust gibt, wie man im Weltraum kommuniziert und wie man sich mit Raumschiffhüllen vor dem Weltraum schützt. Mein erster Gleitschirmfluglehrer, Alex Zosel, erzählte von seinem Volocopter.

Ich selbst habe mich auch am Programm beteiligt:

  • Ich bot einen Workshop zu meiner Incredible Proof Machine an. Erwartet hatte ich vielleicht fünf bis zehn Teilnehmer, alle mit Laptop, die mit ein bisschen Anleitung mit der Proof Machine spielen oder vielleicht auch daran basteln wollen. Statt dessen wartete ein überfüllter Workshopraum mit über 40 Teilnehmern auf mich, so dass das Ganze dann in einen Stegreif-Vortrag über Aussagenlogik im Allgemeinen und die Proof Machine im Speziellen ausartete.

    Das Feedback zur Proof Machine war sehr positiv. Schon vor dem Workshop sah ich einige GPN-Teilnehmer eifrig Beweise zusammenklicken. Nach dem Workshop wurde ich gebeten, doch statt Professor X an Universität Y die Logik-Vorlesung zu halten.

    Ich hatte am Freitag der Proof Machine ein neues Feature spendiert: Sie zeigt jetzt an, wie komplex der erstellte Beweis (gemessen in der Anzahl der Blöcke) ist, und wie weit man vom bekannten Optimum entfernt ist. Dazu brauche ich natürlich diese Werte, und so bat ich einfach die Workshop-Teilnehmer, von ihren Beweisen diese Zahlen zu melden, was zu einer kleinen Flut an Github-Pull-Requests führte. So einfach bekommt man neue Mitarbeiter!

  • Ich stellte in einem Vortrag mein Git-Performance-Dashboard gipeda, das ich für den Haskell-Compiler GHC geschrieben habe. Den Slot füllte ich gemeinsam mit Sebastian Graf, der sein darauf aufbauendes Tool feed-gipeda vorstellte. Mein Vortrag war jetzt nicht die große Publikums-Show, aber ich denke, dass die, die gipeda vielleicht einsetzen wollen, jetzt wissen, was es genau macht.

Am Samstag Abend war dann noch ein wenig vergnügliches Programmieren angesagt, als ich meinem Kollegen Martin Mohr half, in Django eine Web-Version eines Geschichten-Erzähl-Spiels umzusetzten.

Was ich diese GPN vermisste waren die eigentlich traditionellen Geek-Beschäftigungs-Maßnahmen wie das Programmierspiel, die Schitzeljagd und den GameJam. Wer für nächstes Jahr ein Programmierspiel auf die Beine stellen will, kann sich bei mir melden; ich hab seit zwei Jahren etwa so-gut-wie-fertiges; bisher fehlten mir lediglich die Mitstreiter für die Vor-Ort-Organisation.

PS: Das Gulasch war lecker!

Das Mitschriebwiki zieht um

Published 2016-05-11 in sections Digital World, Deutsch.

Vor bald 12 Jahren habe ich die Webseite http://mitschriebwiki.nomeata.de/ (damals noch unter anderem Namen) ins Leben gerufen, auf der Karlsruher Studenten ihre schön geTeXten Mitschriebe ihrer Mathematik-Vorlesungen hochladen konnten. So kamen im Laufe der Jahre 35 Dokumente zusammen.

In letzter Zeit wurde es ruhig um das Mitschriebwiki, und auch ein Layout-Redesign durch meinen Bruder konnte die Seite nicht mehr mit neuem Leben füllen. (Wo teilen die Studenten heute eigentlich ihre Mitschriebe?) Da ich selbst bald aus Karlsruhe wegziehen werde, ist es nicht mehr sinnvoll, wenn die Software weiter auf meinem privaten Server läuft.

Andererseits floß dort viel Arbeit rein und einige der Mitschriebe werden auch weiterhin regelmäßig von heutigen Studenten heruntergeladen (600 Downloads dieses Jahr, 2000 Downloads letztes Jahr). Außerdem wird es an einigen Stellen im Internet verlinkt.

Daher stelle ich das Mitschriebwiki auf folgende, nachhaltige, Hosting-Lösung um:

Die Wiki-Software “latexki”, die ich eigens für das Mitschriebwiki gebaut hatte, wird dabei auch weiter verwendet, allerdings nur noch um die Ausgabedateien zu generieren – die Skripte, die es ermöglichten, im Webbrowser die Dokumente zu bearbeiten und (mit Konfliktresolution!) direkt ins SVN zu schreiben werden nicht weiter verwendet (was mich ruhiger schlafen lässt). Ich habe nicht vor an der Software noch viel zu ändern, außer dafür zu sorgen, dass sie weiter kompiliert. Ihr findet den Code auf https://github.com/nomeata/latexki

Ich möchte mich an der Stelle nochmal bei allen Mitschriebwiki-Mitautoren bedanken und hoffe, dass die Texte noch vielen weiteren Studentengenerationen eine wertvolle Hilfe ist.