Joachim Breitner

Stefan und die Waisen

Published 2006-12-21 in sections Ghana, Deutsch.

Bisher war mein Blog ja leider eher von Berichten über Misserfolge hier in Ghana geprägt, daher wirds Zeit für eine bessere Geschichte, auch wenn sie nicht von mir handelt.

Wer mein Bilderalbum verfolgt hat, dem ist sicher der andere schlaksige Deutsche aufgefallen, der auf so ziemlich jeder Reise mit dabei war. Das ist Stefan Kessler, seines Zeichens Student auf Lehramt in Frankfuhrt, und klassischer Freiwilliger in Ghana.

Das Waisenhaus „Remar“ hier in Tema, in dem er arbeitete, ist eigentlich eine recht gute Idee: Jungs aus dem ganzen Land, die ihre Eltern verloren haben, bekommen hier eine Bleibe geboten und können zur Schule gehen. Gleichzeitig ist das Haus auch Teil eines Programmes zur Rehabitilation von Ex-Entzüglern (vielleicht auch Ex-Sträflingen, da bin ich mir gerade nicht sicher), die hier die Kinder betreuen sollen. So werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Leider wechseln diese Männer alle paar Monate, so dass keine wirkliche Bindung zu den Kindern entsteht und zumindest einige gehen mit den Kindern nicht gerade pädagogisch sinnvoll um. Der permanente Heimleiter ist aber die meiste Zeit unterwegs, um Spenden einzutreiben.

Um so besser für die Kinder, dass Stefan für ein halbes Jahr da war! Er ist nämlich auf die Kinder eingegangen, hat sich gekümmert und fuhr dafür unbeirrt täglich in engen Trotros über die angeblich gefährlichste Straße Ghanas von Accra, wo er wohnte, nach Tema und zurück. Die Rehabilitanten wurden von ihm wenn sie mal wieder zu rabiat mit den Kindern umgingen zurecht gewiesen. Am beeindruckendsen fand ich aber, dass sein Engagement über die Arbeitszeit hinaus ging: So war er abends, wie mir berichtet wurde, meist damit beschäftigt Spiele für die Kinder zu basteln und zu entwickeln, aus Holz und was er gerade da hatte. Sogar ein unkaputtbares Scrabble kam dabei raus!

Und dann war da noch die Aktion mit den Schulbüchern. Auf der Accraer Buchmesse erwarb er einen Stapel Bücher (Mathe und Englisch, jeweils von Klasse 1 bis 6), damit die Jungs auch was zum Lernen haben, wenn sie im Heim sind. Für die Kosten dafür spannte er seine Freundin in Deutschland ein, die dort bei Freunden und Familie das Geld für diese und andere Aktionen auftreiben sollte. Immer auch die Zeit nach ihm im Blick, schenkte er den Kindern die Bücher nicht nur einfach so: Er löste sämtliche Aufgaben aus diesen 2×6 Schuljahren, schrieb sie auf Karteikärtchen und lies diese, damit sie auch eine Weile halten würden, laminieren. Auch wenn er dabei von den anderen Freiwilligen in seiner Accraer Unterkunft und von mir ein wenig unterstüzt wurde, saß er doch die Abende zweier oder mehr Wochen daran.

Darüber hinaus bezahlte er von den Spenden die Schulgebühren der Kinder und sorgte für Weihnachten vor: Bei einer Accraer Behindertenwerkstadt hat er für jedes Kind ein einmaliges Schlampermäppchen nähen lassen und diese mit Stiften, Radierer, Spitzer etc. gefüllt, einzeln verpackt (in die Zeitausgaben, die ich nach meiner Lektüre ihm regelmäßig überlassen habe) und dem Heimleiter gegeben.

Die strahlenden Gesichter der Kinder an Weihnachten wird er selbst nicht sehen: Morgen fliegt er nach Deutschland zurück, und es ist ungewiss, wann die 27 Jungs wieder so gut gefördert, gefordert und bereut werden, sind doch männliche Freiwillige hier recht rar. Aber den Stefan werden sie sicher nicht vergessen.

Naja, so viel Engagement und Erfolg finde ich toll, fast beneidenswert; daher dieser Tribut an seine Arbeit. Wenn Ihr das ebenso seht und Stefan eine kleine Freunde machen wollt, dann schreibt doch einen Kommentar zu diesem Beitrag, er wird dies dann wohl in Deutschland lesen!

Comments

Respekt Stefan!

Und gesegnete Weihnacht euch beiden!
#1 beza1e1 (Homepage) am 2006-12-22

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