Joachim Breitner

Voltasee und Mole-Natinalpark

Published 2006-11-03 in sections Reisen, Ghana, Deutsch.

Meine Rundreise durch Ghana ist fast fertig, Morgen werde ich nach Tema zurueck fahren. Aber da heute ein weitgehend programmloser Tag in Tamale ist, nutze ich die Zeit, um zu erzaehlen, solange die Erinnerungen noch frisch sind.

Nachdem ich in Akosombo den letzten Eintrag geschrieben habe, gingen wir auf das Schiff, dass uns in den Norden, nach Yeji, bringen soll. Von den drei Klassen - Kabine, Gemeinschaftsraum, Frachtdeck - waehlten wir die mittlere, schliefen dann aber auf dem ueberdachten Aussichtsdeck. Wie so eine Schiffsreise nun mal ist, passiert nicht viel, dafuer hat man viel Zeit, und so lernt man andere Reisende kennen (die meisten Weissen sind, zumindest auf unseren Routen, deutsche Volunteers. "Echte" Touristen trifft man kaum.) Auch entwickelte ich auf Steffan's Anregung ein Brettspiel um das Thema Staudammbau, vielleicht dazu spaeter mal mehr.

Die Nacht war nicht sehr erholsam, da sehr hart, aber man ist ja einiges gewoehnt. Wie etwa das kleine Zimmer in Yeji, wo wir Dienstag bei Dunkelheit heil ankamen: ohne Fliegengitter und fliessend Wasser, voller Insektenmittelgestank, da meinem Zimmerkollege eine Flasche davon ausgelaufen ist und, besonders schlimm, ohne Fruestueck...

Der naechste Tag war das Transit-Abenteuer per se. Zuerst in einem vermutlich ueberladenen Holzkanu mit einigen Duzend Afrikanern und einem Motorrad in 50 Minuten ueber den See, dann in ein mit vier Passagieren pro Reihe recht enges Tro-Tro nach Tamale, welches zwei Doerfer weiter noch enger wurde, da es nun ploetzlich fuenf pro Reihe fassen sollte und dies die naechsten fuenf Stunden auch tat. Und zuletzt der Bus, der uns von Tamala aus zum Mole-Nationalpark fahren soll. Der war meiner Meinung schon voll, als wir kamen, aber das Geld von sechs Obronis wird scheinbar nicht verachtet und wir bekamen noch Plaetze fuer die vier Stunden lange Fahrt

Oder sowas Aehnliches: Neben mir stand erst ein Koffer, der mir gefaehrlich nah auf die Pelle rueckte. Bevor ich mich erdruecken liess protestierte ich und der Koffer wurde auf einen Stapel Kartons mit Fischen gelegt. Das war dann natuerlich labil, und nach ein paar weiteren Schlagloechern drohte dieser umzufallen. Also wurde der Koffer weg von mir, auf die andere Seite, vom Stapel heruntergeschoben. Dort drueckte er dann die Kartons auf mich drauf, so dass ich ein paar Schlagloecher (und nur daraus schien die ungeteerte Strasse zu bestehen) spaeter von sich aufloesenden Fischkartons bedraenkt wurde. Bei jedem Schlagloch musste ich Angst haben, danach gar keinen Platz mehr zum Atmen zu haben (an Bewegung dachte ich gar nicht erst), und das Fischwasser, das mir auf Gepaeck und Hose tropfte, liess sich mit ein paar Blat "Zeit" auch nur bedingt abhalten.

Irgendwann kamen wir aber in das Dorf, in dem der Fisch ausgeladen wurde, und die Zukunft sah wieder gut aus, denn kurz drauf erreichten wir das "Mole Motel", wo uns geraeumige Zimmer mit Duschen erwarteten. Am naechsten Tag ging es dann auf Safari, morgens zwei Stunden zu Fuss, vor Dunkelheit nochmal zwei Stunden im Gelaendewagen - da haben wir sonst so knausrige Volunteers uns mal was geleistet. Gesehen haben wir neben verschiedenen Antilopenarten auchrecht viele Warzenschweine und Paviane, welche sich auch sehr gerne direkt am Motel aufgehalten haben. Loewen und Bueffel waren keine zu sehen, und der einzige Elefant, der sich hat blicken lassen, hat seine Zaehne angeblich im Kampf um Weibchen verloren und haelt sich seit dem gerne mitten im Dorf auf. Aber hey, ein Elefant, und zahm kann man auch den trozdem nicht nennen!

Heute ging es dann frueh morgens zurueck nach Tamale, wo wir (inzwischen nur noch Steffan und ich, die anderen haben eine Nacht verlaengert) ein wenig durch die Stassen tigerten. Tamale hat einen seltsam undefinierten Charme, verglichen mit Accra oder Tema. Vielleicht ein klein bisschen weniger hektisch, etwas sauberer, weniger aufdringlich. Oder auch einfach fahrradreicher, und damit sympathischer...

Man trifft interessante Leute auf solchen Reisen. Insbesondere ein amerikanisches Paar aus Oregon, das dort seine eigene Internetstation mit Schwerpunkt Abenteuerreisen betreibt und jetzt eine kleine Serie ueber Ghana dreht: Der Einzugsbereich ist wohl nur deren Ortschaft, ein paar 10.000 Seelen, aber sie koennen davon wohl gut leben - sicherlich ein Traum vieler. Ich habe ihnen meine Homepageadresse gegeben, vielleicht koennen sie eines meiner Bilder in ihrer Sendung gebrauchen. Die Bilder kommen wahrscheinlich uebermorgen online, sind gut 300, und wenn ich Lust habe suche ich in einem weiteren Blogeintrag die Besten heraus.

Comments

hallo joachim, bin per zufall auf deine seite gestossen und finde es interessant, was du über dein pc-projekt schreibst. bin selbst in akropong/akwapim - zwischen accra und akosombo auf den akwapim ridge mit einem schoolsponsorshipproject und einer pc - schule beschäftigt. heuer haben wir - 4 studenten und 2 pc-professionals aus österreich 7 pc-klassen in den jss und in der blindenschule aufgebaut. da wir nur 2 x im jahr "hinunterfliegen" müssen wir unserem stellvertreter vor ort vertrauen, der ein hochrangiger chief dort ist. bisher haben wir noch kein internet, weil es einfach noch zu teuer ist, obwohl der wunsch danach schon sehr stark ist.wir wollen aber, dass unsere computerschule mit 2 klassen läuft - bisher bieten wir kostenlose übungsmöglichkeit für kinder und jugendliche an. voriges jahr haben wir einen 3-wöchigen crashkurs für je 2 lehrer jeder schule - waren insgesamt dann 24 lehrer mit office gemacht. diese sind nun die grossen pc-gurus in deren schulen. ich weiss nicht, wie deine pläne sonst noch sind, aber wenn du beim rückweg nach tema über akropong fahren willst, dann kann ich dir die kontakttelefonnummer von unserem chief geben, damit du dir die schulen mit den klassen einmal anschaust und mir berichten könntest. ich fliege erst wieder ende jänner hinunter....da die schulen ja bisher gestreikt haben, bin ich schon neugierig, was aus unseren klassen geworden ist?????? freue mich von dir zu hören....alles liebe christine
#1 christine refaei - help4ghana NGO (Homepage) am 2006-11-04
Hallo Joachim,
gerade habe ich Deinen Reisebericht gelesen und bin leider wieder in Fernweh verfallen. Gerade der Mole-Nationalpark gehört für mich zu den schönsten Plätzen in Afrika.
Beste Grüße aus Potsdam
#2 Afrika (Homepage) am 2007-09-30

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