Joachim Breitner

Trump is so mean

Published 2017-01-29 in sections Philadelphia, Deutsch.

Vor zweieinhalb Monaten berichtete ich an dieser Stelle von meinen Eindrücken nach der Präsidentschaftswahl (Danke für die motivierenden Rückmeldungen!). Inzwischen ist Donald Trump Präsident, und nun geht es so richtig los.

Am Tag der Amtseinführung habe ich nicht viel mitbekommen. In Philadelphia gab wohl es Proteste, insbesondere am Tag drauf, als hier wie in vielen anderen Städten in und außerhalb der USA der „Women’s March“ statt fand. Über Facebook konnte ich mitverfolgen, welche meiner Bekannten teilnahmen, das war es aber auch erst mal.

Zumindest in Philadelphia halten viele wenig von Trumps Verordnungen

Zumindest in Philadelphia halten viele wenig von Trumps Verordnungen

Interessant wurden die nächsten Tage, als sich zeigte, dass Trump es ernst meint und mit einer Verfügung nach der anderen seine Vorstellungen in die Tag umsetzen wollte. Ich will hier nicht alles wiederholen, was schon ausführlichst in den Nachrichten, auch in Deutschland, behandelt wurde (die BBC hat eine gute Zusammenfassung der ersten Woche).

Für mich und mein akademisches Umfeld am relevantesten waren zwei Entwicklungen: Zum einen verfügte Trump einen Maulkorberlass für viele Behörden, und für das Umweltamt sogar einen kompletten Einstellungs- und Auftragstop, und von der Seite des Weißen Hauses verschwanden Abschnitte zum Klimawandel. Auch wenn sich ein paar Nationalparkranger dem Anfangs widersetzten – das ist nicht mehr ein Umfeld von freier Wissenschaft und Ratio-geleiteter Politik.

Noch heftiger war die Reaktion dann als Trump plötzlich und ohne Vorwarnung die Einreise von Bürgern sieben vorwiegend muslimischer Staaten, darunter dem Iran, stark einschränkte. Einige Reisende oder Wiederkehrende aus diesen Staaten wurden nun am Flughafen länger befragt, abgewiesen oder direkt zurückgeschickt. In meinem Freundeskreis hier sind auch Wissenschaftler aus dem Iran, deren Vertrauen in eine verlässliche Zukunft in den USA nun schwer beschädigt ist. Denn betroffen sind nicht etwa nur Bewerber um neue Visas, die sich nun auf längere Wartezeiten einstellen müssten, sondern auch solche, die schon längst ein Visum – oder gar eine permanente Aufenthaltsgenehmigung (green card)1 – haben und sich in den Staaten eine Existenz aufgebaut haben.

Eine Anspielung auf das bekannte Niemöller-Zitat

Eine Anspielung auf das bekannte Niemöller-Zitat

Über Facebook erfuhr ich dass einige meiner Freunde, insbesondere eben jene Iranerin, an einer spontanen Demonstration heute Nachmittag am Flughafen von Philadelphia teilnehmen wollten, und dem schloss ich mich an. Allerings nicht nur ich, so dass schon die Autobahn zum Flughafen von den Autos empörter Bürger verstopft war und zeiweise die Autobahnausfahrten gesperrt waren.

Einige parkten weiter weg und liefen zum Flughafen (und waren schneller)

Einige parkten weiter weg und liefen zum Flughafen (und waren schneller)

Die Empfangshalle des Flughafens, dem angedachten Ort für den Protest, war angesichts von über 5000 Teilnehmern schon längst voll. Die in großer Zahl (und mit Pferden) aufmaschierte Polizei sperrte den Zugang und verlegte den Protest vor das Gebäude.

Eines von vielen Kindern auf der Demo

Eines von vielen Kindern auf der Demo

Ich mischte mich also eine Weile unter das dort protestierende Volk, lauschte den Sprechchören („No hate, no fear – refugees are welcome here“, „Let them in“, „This is what democracy looks like“) und bewunderte die unzähligen Pappschilder. Die Bilder hier sind eine Auswahl der besten (und weitere gibt es auf meiner Bilderseite).

So etwas wie Beamtenbeleidigung kennt man im Land der free speech nicht

So etwas wie Beamtenbeleidigung kennt man im Land der free speech nicht

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